Posttraumatische Belastungsstörungen

Definition

Bei der posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD) handelt es sich um eine verzögerte Reaktion auf ein belastendes Ereignis, eine Situation aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmasses seelischer und/ oder körperlicher Art, die bei fast allen Menschen eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Nach der Auftretenshäufigkeit werden zwei Arten von Traumen unterschieden: einerseits ein einmaliges traumatisches Erlebnis (z.B. Überfall, Vergewaltigung, Unfall), andererseits lange andauernde oder wiederholte traumatische Erfahrungen, die häufig bereits in frühen Lebensjahren beginnen (z.B. jahrelanger sexueller Missbrauch oder körperliche Misshandlungen).

 

Häufigkeit

Ob eine posttraumatische Belastungsstörung auftritt, ist stark von der Art und Intensität des erlebten Traumas abhängig. Es wird geschätzt, dass zwischen 15 und 50 Prozent der von traumatischen Ereignissen Betroffenen nachfolgend ernsthafte Störungen aufweisen. Untersuchungen zeigen zudem, dass Menschen, die nicht nur ein psychisches Trauma erlitten haben, sondern auch körperlich in Mitleidenschaft gezogen wurden, häufiger eine posttraumatische Belastungsstörung aufweisen als Menschen, die «nur» ein seelisches Trauma erlebt haben.

 

Ursachen

Individuelle Gewalt (z.B. fortgesetzte körperliche Misshandlung), kollektive Gewalt (z.B. Kriegserfahrungen), Naturkatastrophen (z.B. Erdbeben), Technikkatastrophen (z.B. Flugzeugunglück) sowie auch körperliche Extrembelastung (z.B. lebensbedrohliche Erkrankungen) sind von Erlebnissen der Hilflosigkeit, des Kontrollverlusts oder des Entsetzens begleitet. Derartige aussergewöhnliche Erfahrungen können auch bei bis anhin psychisch Gesunden die Abwehrkräfte überfordern und zu heftigen psychischen und körperlichen Reaktionen mit Krankheitswert führen. Im Falle posttraumatischer Belastungsstörung können mit modernen Untersuchungsmethoden typische biologische Veränderungen im Gehirn nachgewiesen werden, welche – zumindest teilweise – die Beschwerden und Symptombildungen vieler Patienten erklären.

 

Symptome

Als Folge einmaliger traumatischer Erfahrung können sich folgende typischen Symptome einstellen:

Alpträume, ständig wiederkehrende, sich aufdrängende Erinnerungen an das Ereignis, Gefühl des Betäubtseins, Freudlosigkeit, Gleichgültigkeit, Schlafstörungen, Schreckhaftigkeit, Unfähigkeit zur Entspannung, quälende Ängste und Depressionen bis hin zu Suizidgedanken. Noch breiter gefächert sind Symptombildungen bei lange andauernden resp. wiederholten traumatischen Erfahrungen.

Diese Patienten werden häufig in ihrer gesamten Persönlichkeitsentwicklung derart beeinträchtigt, dass die Möglichkeiten zur Selbstbewältigung stark begrenzt sind. Traumaerfahrungen können sich folgenschwer auf verschiedene emotionale Bereiche sowie auf die Lebensführung allgemein auswirken und ebenfalls in gestörtem Körpererleben sowie in körperlichen Erkrankungen niederschlagen. Das Selbstkonzept der Betroffenen ist häufig fundamental erschüttert, die Fähigkeit zur Selbstsorge und Selbstverantwortung massiv eingeschränkt. Die betroffenen Patienten leiden unter quälenden Stimmungsschwankungen, zeigen erhebliche innere Spannungszustände und manchmal auch damit im Zusammenhang stehendes selbstverletzendes Verhalten und andere Impulshandlungen. Auch sind die mitmenschlichen Beziehungen oft problembeladen, konflikthaft und von tiefem Misstrauen geprägt. Charakteristischerweise entwickelt sich die Störungen nicht unmittelbar sondern erst nach Wochen oder Monaten. Eine Kombination von PTSD mit anderen psychiatrischen Erkrankungen wie etwa mit einer Borderline-Persönlichkeit oder mit Essstörungen ist häufig.

 

Therapie

Frühinterventionen unmittelbar nach akuten Ereignissen wurden bis vor kurzer Zeit dringend empfohlen, werden aber aufgrund neuerer wissenschaftlicher Daten in der Fachwelt teilweise kontrovers diskutiert. Bei länger anhaltendem Leidensdruck sowie eingeschränkter Lebensführung wird aber übereinstimmend Psychotherapie empfohlen, Gruppentherapie kann hier hilfreich sein. In den letzten Jahren wurden eine Reihe störungsspezifischer Behandlungsmethoden entwickelt, welche sich inzwischen bewährt haben. Bei schwerer Traumatisierung kann eine stationäre Traumatherapie indiziert sein, spezialisierte psychotherapeutische Stationen für Schwertraumatisierte sind z.B. in der Schweiz im Aufbau begriffen. PTSD-Therapien sind anspruchsvoll und verlangen von allen Beteiligten Geduld, häufig erstrecken sie sich über eine längere Zeit. In stützenden psychotherapeutischen Behandlungen, welche zum Ziel haben, die Folgen schwerer traumatischer Belastungen für die Betroffenen handhabbarer zu machen werden auch verschiedene Medikamente eingesetzt, vor allem gegen Schlafstörungen, körperliche Beschwerden, Angst und Depressionen.

 

Verlauf/Heilung

Ein vollständiges Verschwinden der posttraumatische Symptomatik ist in der Regel weder durch Psychotherapie noch durch die Behandlung mit Psychopharmaka möglich. Die seelisch-körperlichen Reserven der Patienten, die sich zwischen Extrembelastungen meistens nie richtig stabilisieren konnten, sind begrenzt, entsprechend bescheidene Therapieziele sollten formuliert und realistische Heilungsaussichten in Aussicht gestellt werden. Die Öffentlichkeit und gleichermassen die Fachwelt scheinen aber – zu Recht – zunehmendes Interesse und Verständnis für diese leidgeprüfte Patientengruppe zu entwickeln.

 

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