Persönlichkeitsstörungen

Hier insbesondere: Borderline-Störung

 

Definition

Mit dem Begriff Borderline wurde ursprünglich eine Erkrankung beschrieben, welche als Grenzzustand zwischen Neurose und Psychose definiert war. Der Begriff gelangte in der Folge immer breiter und zeitweilig inflationär zur Anwendung und galt als «Modediagnose». Inzwischen ist das Borderline-Konzept ausgereift und hat sich sowohl diagnostisch als auch als therapeutisch etabliert und bestens bewährt.

 

Häufigkeit

Mehr als fünf Prozent der Bevölkerung dürften eine Persönlichkeitsstörung aufweisen, gegen zwei Prozent zeigen Borderline-Merkmale. Rund 70 Prozent der Betroffenen sind Frauen. Die Diagnose wird mehrheitlich bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen gestellt, doch kann die Störung auch erst in späteren Lebensphasen zu Krisen mit Behandlungsbedarf führen.

 

Ursachen

Genetische und biologische Faktoren spielen ursächlich nachgewiesenermassen eine bedeutende Rolle. Spezifische entwicklungspsychologische Erklärungen der Borderlinestörung konzentrieren sich auf die besonders empfindliche Interaktion zwischen Kind und Bezugspersonen im ersten Lebensjahr. In der frühen Lebensgeschichte der Betroffenen finden sich häufig sehr schwere traumatische Erlebnisse, wie elterlicher Verlust oder lange einschneidende Trennungserfahrungen. Auch sexueller oder körperlicher Missbrauch sowie Gewalt und Alkoholismus sind gehäuft festzustellende Charakteristika des familiären Hintergrundes. Soziale Faktoren können nicht ohne weiteres direkt in Zusammenhang mit dem in den letzten Jahren gehäuft aufgetretenen Störungsbild gebracht werden. Gleichwohl bleibt danach zu fragen, ob die sich verändernden Familienstrukturen, der rasche Wertewandel sowie die zusehends zerbrechliche moderne Gesellschaft für Häufigkeit und Ausprägung dieser schweren Erkrankung von Bedeutung sein könnten.

 

Symptome

Im Zentrum der Borderline-Persönlichkeitsstörung stehen Identitätsprobleme sowie Schwierigkeiten in der Regulation von Gefühlen, was sich in den verschiedensten Lebensbereichen niederschlägt. Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind sehr wechselhaft und durch eine unablässige Suche nach dem «richtigen» Partner geprägt. Intimität macht einerseits grosse Angst, andererseits bestehen intensive Beziehungswünsche mit enormer Verletzlichkeit bei Trennung. Hochgradige Impulsivität bei gleichzeitig grossem Selbstschädigungspotential kann überdies in promiskuitives Verhalten, Drogenmissbrauch sowie Brech- und Spielsucht und allgemeines Risikoverhalten einmünden. Starke Stimmungsschwankungen in Richtung Depression, Angst und Reizbarkeit erzeugen bei den Betroffenen hohen Leidensdruck und belasten auch deren mitmenschliche Beziehungen. Eine besondere Behandlungsdynamik entsteht angesichts häufigen selbstschädigenden Verhaltens wie sich Schneiden, sich Brennen und andere Formen der Selbstverstümmelung. Hintergrund dieser nur schwer einfühlbaren Impulshandlungen – welche eher selten durch eigentliche Suizidwünsche motiviert sind – können Selbstbestrafungsmotive sein. Selbstmorddrohungen bis zu appellativen suizidalen Handlungen, welche die Hilflosigkeit und Verzweiflung der Betroffenen spiegeln, kommen leider öfters vor und stellen sowohl für Familienangehörige als auch Therapeuten eine grosse Belastung dar. Die Frage «Wer bin ich?» steht im Zentrum dieser komplexen psychischen Störung. Den Patienten fehlt ein stabiles Selbstbild, ihre sexuelle Orientierung ist chaotisch, und sie lassen konstante, verlässliche Werte im Leben vermissen. Private und berufliche Langzeitziele fehlen, das Erleben wird vielmehr von einer «unübersichtlichen» Gegenwart diktiert. Hier dominieren chronische Gefühle der inneren Leere und Langeweile sowie die Unfähigkeit, alleine zu sein und mit dem eigenen Leben etwas Sinnvolles zu gestalten.

 

Therapie

Nicht immer gelingt es, im ambulanten Rahmen den verschiedenen Problemen und Gefährdungen dieser Patienten wirksam zu begegnen und eine genügend tragfähige therapeutische Beziehung aufzubauen. Kurzdauernde stationäre Kriseninterventionen sind darum notwendige Bausteine einer längerfristig angelegten Borderline-Psychotherapie. Bei Früherkennung dieser Störung empfiehlt sich eine mehrmonatige Behandlung auf einer spezialisierten Psychotherapiestation. Zu Behandlungsbeginn steht immer die emotionale Stabilisierung ganz im Vordergrund.

Die Betroffenen lernen, mit ihren schwankenden, intensiven Gefühlen besser umzugehen. Es geht vor allem darum, zur Spannungsreduktion keine selbstschädigenden Handlungen mehr einsetzen zu müssen. Auch lernen die Patienten, ihre mitmenschlichen Beziehungen funktionaler zu gestalten und sich im meist problembeladenen sozialen Umfeld wieder besser zurecht zu finden. Moderne Behandlungsverfahren wie dasjenige der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT) leisten hier wertvolle, äusserst wirksame Hilfestellung. DBT ist ein manualisiertes, international standardisiertes Verhaltenstherapieprogramm, welches mit verschiedenartigen Ansätzen, z.B. der Anwendung bestimmter zielführender Fertigkeiten (Skills), die Emotionsregulationsstörung positiv beeinflusst. Tiefergehende innerseelische Probleme und v.a. Folgen chronischer Traumatisierungen werden dann im späteren Therapieverlauf zunehmend thematisierbar. Auch für diesen Behandlungsansatz stehen inzwischen bewährte störungsspezifische Verfahren zur Verfügung, die im Falle eines positiven Verlaufs eine Traumaintegration ermöglichen.

 

Verlauf/Heilung

Noch vor einigen Jahrzehnten galt diese schwierige Patientengruppe als kaum behandelbar, und die Prognosen waren sehr pessimistisch. Dank neueren Forschungsdaten ist einiges bekannt über den längerfristigen Spontanverlauf: Dieser zeigt im mittleren und späteren Erwachsenenalter eine deutliche Stabilisierungstendenz der Grundstörung.

Hinzu kommen beachtenswerte Fortschritte in den verschiedenen Behandlungsverfahren. Somit kann diesen häufig intelligenten und kreativen Patienten psychiatrisch–psychotherapeutisch wirksamer geholfen werden – vorausgesetzt, alle Beteiligten bemühen sich um Geduld, Lernfähigkeit und Gelassenheit.

 

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