Depression

Definition

Depression ist eine häufig schwere seelische Krankheit, die seit Jahrtausenden bekannt ist und in allen Kulturen beschrieben wurde. In den westlichen Industrieländern ist die Erkrankungsrate nachgewiesenermassen im Zunehmen begriffen; auch die Weltgesundheitsorganisation WHO rechnet damit, dass Depression eines Tages global das grösste Gesundheitsproblem darstellen könnte. Jeder Mensch kennt Gefühle von Traurigkeit und Niedergeschlagenheit, vor allem nach belastenden Ereignissen. Im Vergleich dazu zeigen depressiv Erkrankte aber Störungen, welche sich von der Trauer deutlich unterscheiden.

Auch sind Depressionen meistens von vielfältigen körperlichen Beschwerden sowie zusätzlichen Symptombildungen geplagt. Gedanken an den Tod und Suizidphantasien gehören zudem häufig zum depressiven Erleben. Bestimmte Erkrankungsformen können in eine gehobene, euphorische Stimmung – in eine sogenannte Manie – umschlagen. In diesem Fall spricht man von einer bipolaren affektiven Störung. Insgesamt ist das Erscheinungsbild der Depression uneinheitlich und die Diagnose darum manchmal schwierig zu stellen.

 

Häufigkeit

Fast jeder fünfte Mitteleuropäer erkrankt einmal im Leben an einer behandlungsbedürftigen Depression, weltweit leiden daran etwa 340 Millionen Menschen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. In Westeuropa sterben jährlich doppelt so viele Menschen durch Suizid als im Strassenverkehr – mehr als zehn Prozent der schwer Depressiven nehmen sich das Leben. Trotz regelmässiger Aufklärungsarbeit bei Fachpersonen und in der Öffentlichkeit werden im deutschen Sprachraum nicht einmal die Hälfte der betroffenen Patienten in ihrer Erkrankung erkannt und einer Behandlung zugeführt.

 

Ursachen

Das in der Psychiatrie allgemein gültige bio-psycho-soziale Verständnismodell bewährt sich bei depressiven Erkrankungen ganz besonders. Moderne bildgebende Untersuchungsverfahren haben in den letzten Jahren v.a. die naturwissenschaftliche Depressionsforschung bereichert und die Kenntnisse nachhaltig erweitert. Darauf aufbauende biologische Erklärungsansätze führen Besonderheiten im Aufbau und in der Aktivität des Gehirns als mitverantwortlich für Depressionserkrankung an. Es wurde nachgewiesen, dass bei Depressiven jene Regionen des Gehirns, die für die Entstehung positiver Gefühle zuständig sind, weniger Aktivitäten zeigen. Auch Gehirnsstrukturen, die die Ausschüttung von Stresshormonen regulieren, sind bei Betroffenen verändert. Zudem sind gewisse Hirnbotenstoffe – sogenannte Transmitter – die bei der Regulation von Gefühlen eine Rolle spielen, in geringerem Ausmass vorhanden. Zumindest teilweise scheinen auch genetische Faktoren eine Rolle zu spielen, da das Risiko, an einer Depression zu erkranken, bei nahen Blutsverwandten erhöht ist. Die vielfältigen psychologischen Hypothesen zu den Depressionsursachen sind zwar empirisch wenig belegt, für die Therapie aber gleichwohl unverzichtbar.

So gehen psychoanalytische Erklärungsansätze davon aus, dass Depression häufig durch Verlusterlebnisse ausgelöst wird und als Regulationsstörung des Selbstwertgefühls zu verstehen ist, der eine fehlverarbeitete, gegen sich selbst gerichtete Aggression zugrunde liegen soll. Verhaltensanalytische Ansätze basieren anderseits auf dem Modell der gelernten Hilflosigkeit, und interpersonelle Theorien beschreiben ungünstige Kommunikationsmodelle in den engsten zwischenmenschlichen Beziehungen als zentral. Schliesslich existieren auch verschiedene sozialpsychologische Ansätze, welche die Zeitkrankheit Depression vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Verhältnisse deuten.

 

Symptome

An erster Stelle steht bei Menschen mit «typischer Depression» die depressive Stimmungslage im Sinne einer tiefen Bedrücktheit und allgemeiner Freudlosigkeit. Hinzu kommen Interesse- und Energieverlust, eine Verminderung des Antriebs und reduziertes Selbstwertgefühl. Im Gegensatz zu Menschen mit tiefer Traurigkeit sind Betroffene häufig gequält vom Gefühl grosser innerer Leere sowie der Unfähigkeit, überhaupt Gefühle empfinden zu können: Das Leben hat keine Farben mehr, alles ist grau und erstarrt, die Zeit vergeht nur sehr langsam, Schuld- Versagens- und Angstgefühle machen sich breit. Depressive sind meist in ihrer gesamten Lebensführung erheblich beeinträchtigt und können ihre alltäglichen Aufgaben nur noch mit grosser Mühe bewältigen; Einbussen wie Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen verringern zusätzlich das herabgesetzte Selbstvertrauen. Sehr oft sind Schlaf und Appetit gestört. Eine Vielzahl körperlicher Beschwerden wie Druck auf der Brust, Kopf- und Magenschmerzen oder Kreislaufprobleme gehen mit der Krankheit einher. Bestimmte schwere Verlaufsformen sind zusätzlich durch wahnhafte Erlebnisse (z.B. Verarmungswahn) geprägt.

 

Therapie

Das Schwergewicht der Behandlung bei milderen Depressionsformen liegt in der ambulanten Psychotherapie, durchgeführt durch Psychologen, Haus- oder Fachärzte. Dabei gelangen in erster Linie stützende Verfahren zur Anwendung, bei zugrunde liegendem Konfliktgeschehen sind tiefenpsychologische Ansätze indiziert. Verhaltenstherapeutische Verfahren, welche vor allem auf eine aktivere Lebensgestaltung und den Abbau negativer Denkmuster zielen, haben sich bei dieser Störungsgruppe ebenfalls sehr bewährt. Im weiteren sollen Betroffene angeleitet werden, wiederkehrende Symptome frühzeitig zu erkennen, um diesen entgegenwirken zu können. Aufklärung und Information über die Erkrankung sind darum ebenso wichtig wie der Miteinbezug von Angehörigen. Die Kombination von Psychotherapie mit Pharmakotherapie zeigt deutlich bessere Wirkung als die Anwendung psychologischer Verfahren alleine und wird darum häufig bei schwereren Verlaufsformen angewandt. Der Einsatz von antidepressiven Medikamenten stellt einen wichtigen Aspekt in der Akutbehandlung dar, allerdings dauert es bis zum Wirkungseintritt in der Regel mehrere Wochen. Entgegen weit verbreiteter Ansicht machen Antidepressiva nicht süchtig, auch sind moderne Präparate relativ nebenwirkungsarm. Eine wichtige medikamentöse Massnahme besteht im Falle von immer wiederkehrenden depressiven Episoden in der Rückfallverhinderung, z.B. als Lithiumprophylaxe. Weitere biologische Therapieverfahren sind Schlafentzug sowie Lichttherapie bei saisonal abhängigen Depressionen. Besteht ernsthafte Selbstgefährdung oder erweisen sich die ambulanten therapeutischen Massnahmen als ungenügend, ist eine Klinikbehandlung indiziert. Je nach Zustandsbild kommen dafür Depressionsstationen oder psychotherapeutisch spezialisierte Einheiten in Frage. Besteht unmittelbare Suizidgefahr, müssen die Patienten vorübergehend im geschlossenen Rahmen eng überwacht und betreut werden.

 

Verlauf/Heilung

Die meisten depressiven Krankheitsphasen klingen vollständig ab, der Übergang in einen chronischen Verlauf ist relativ selten. Allerdings besteht ein deutlich erhöhtes Risiko, erneut depressiv zu erkranken. Darum sind Nachbehandlung, gründliche Krankheitsinformation sowie präventive Massnahmen bei dieser Patientengruppe besonders wichtig. Nicht genügend betont werden kann die während der ganzen Erkrankungsdauer immer bestehende Suizidgefahr.

 

zurück zu Behandlung

 

Landstrasse 194

9495 Triesen

Liechtenstein

 

Tel +423 399 20 80

Fax +423 399 20 85

 

Helpmail.li

Notfallnummern

Home