Angst- und Panikstörungen

Definition

Angst ist eine im Menschen festgelegte gefühlsmässige Reaktion auf Gefahr und hat die Funktion eines «biologischen Alarmsystems». Sie übernimmt – ähnlich dem Schmerz – eine wichtige Schutz- und Überlebensfunktion und entspricht anderen Gefühlen wie Freude, Wut oder Trauer.

Angst wird erst dann als Krankheit angesehen, wenn sie grundlos, d.h. ohne Bedrohung auftritt, lange anhält und zu Vermeidungsverhalten führt. Zu den Angstkrankheiten zählen zum einen die attackenartig auftretende Panikstörung sowie die generalisierte Angststörung, zum andern verschiedene Formen von sogenannten Phobien.

 

Häufigkeit

Angst ist eine der häufigsten psychischen Störungen, welche ganz verschiedene Ausprägungsformen zeigt und nicht selten in Kombination mit anderen psychischen Erkrankungen auftritt, beispielsweise mit Depression oder Sucht. Am häufigsten sind vermutlich die verschiedenen Phobien, gefolgt von den generalisierten Angststörungen, welche bei fünf bis zu zehn Prozent der Bevölkerung auftreten sollen. Panikstörungen kommen demgegenüber relativ selten vor – bei zirka zwei Prozent der Bevölkerung, sind aber für die Betroffenen sehr folgenschwer. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Der Erkrankungsbeginn liegt meist vor dem 45. Lebensjahr.

 

Ursachen

Psychoanalytische Ansätze haben bei den früher als Angstneurose bezeichneten Störungen lange Zeit die wichtigsten Erklärungsansätze geliefert. Unbewusste Konflikte zwischen Wünschen und Geboten respektive Verboten führen – dieser Theorie gemäss – zu Kompromiss- resp. Symptombildungen im Sinne von Ängsten und Phobien. Häufig ist dabei der Abwehrmechanismus der «Verschiebung» wirksam, so dass die eigentlichen Angstquellen nicht mehr eruierbar sind. Psychoanalytische Psychotherapie zielt nun darauf ab, den «hinter» der Angst lokalisierten Konflikt bewusst zu machen und dadurch aufzulösen. Moderne kognitive Theorien gehen demgegenüber davon aus, dass bei einzelnen Störungen – beispielsweise bei Panikattacken – ursächlich belanglose Körpersignale fehlinterpretiert werden und dadurch eine eigentliche Angstspirale in Gang kommt. Therapeutisch bauen viele übende Verfahren mittels sogenannter Angst-Expositionen auf einem solchen Ansatz auf. Dabei wird verhaltenstherapeutisch der Angstkreislauf durchbrochen und angstabbauenden neuen Erfahrungen Raum gegeben. Aus den Erfahrungen der Pharmakotherapie lassen sich ebenfalls wichtige Rückschlüsse über die Natur von Angstkrankheiten ziehen. Die erfolgreiche Behandlung vieler Erkrankungen mit Antidepressiva bestätig die schon seit langem vermutete enge Verwandtschaft von Angst und Depression.

 

Symptome

Panikstörungen sind durch das plötzliche Auftreten intensiver Angst charakterisiert. Innerhalb von Minuten steigert sich – meistens ohne äusseren Anlass – ein subjektiv äusserst bedrohlicher Zustand zur eigentlichen Panik. Die Betroffenen befürchten etwas Katastrophales wie Herzinfarkt, Hirnschlag, Erstickung oder auch «verrückt zu werden». Vielfältige Körpersymptome wie Schweiss, Zittern, Übelkeit, Bauchbeschwerden, Erstickungsgefühle und Herzrasen lassen an eine schwere lebensbedrohliche Erkrankung glauben. Typisch in der Krankheitsentwickung ist eine zunehmende Erwartungsangst (Angst vor der Angst), sozialer Rückzug und Vermeidungsverhalten sowie vielfältige Arztbesuche oder gar Notfallhospitalisationen. Bei den generalisierten Angsterkrankungen leiden Patienten unter lang anhaltenden, eher diffusen Ängsten, welche sich in motorischer Spannung, unkontrollierter Überregbarkeit oder auch übermässiger Wachheit bemerkbar machen. Phobien schliesslich sind durch zwanghaft sich aufdrängende Ängste vor bestimmten, eigentlich ungefährlichen Gegenständen oder Situationen geprägt. Solche phobischen Befürchtungen sind beispielsweise Angst vor Erröten (Erytrophobie), vor geschlossenen Räumen (Klaustrophobie), vor weiten Räumen (Agoraphobie), vor dem Fliegen (Aviophobie) oder vor Auftritten in der Öffentlichkeit (Sozialphobie).

 

Therapie

Nicht jede Angst ist behandlungsbedürftig. Bei milder Ausprägung darf eine zunächst vorübergehende Störung angenommen werden und es genügen Aufklärung, Beruhigung oder allenfalls die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe.

Im Zentrum der Behandlung schwerer Störungen steht eine Kombination von Pharmako- und Psychotherapie, allenfalls ergänzt durch Entspannungstechniken (z. B. autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung). In der kognitiven Psychotherapie werden fehlgeleitete Denkmuster korrigiert. Verhaltenstherapie konfrontiert die Patienten mit real Angst auslösenden Situationen; sie lernen, diese als überwindbar zu gestalten. Bei sehr komplexen Erkrankungen kommen eventuell auch länger dauernde tiefenpsychologische Verfahren in Frage. Die Pharmakotherapie erfolgt mit Antidepressiva, seltener auch mit Beruhigungsmitteln. Meistens führen zeitlich auf wenige Monate begrenzte ambulante Behandlungen bereits zum Ziel. Bei fortgeschrittenem Krankheitsverlauf und besonders bei begleitender Suchtentwicklung ist unter Umständen eine intensive stationäre Behandlung indiziert. In den letzten Jahren wurden an vielen psychiatrischen Kliniken und Polikliniken spezielle Angstsprechstunden etabliert, wo Betroffene, ihre Angehörigen aber auch medizinische Personen kompetent beraten werden.

 

Verlauf/Heilung

Ohne Behandlung neigen schwerere Angsterkrankungen zu Chronifizierung und – im schlimmsten Fall – zu Invalidisierung. Häufig drohen bei den Betroffenen krankheitsverstärkender sozialer Rückzug sowie auch Medikamenten- und Alkoholmissbrauch. Bei Panikstörungen können vorübergehende Stabilisierungsphasen einen hoffnungsvollen Spontanverlauf vermuten lassen, meistens verharrt aber die Erkrankung langfristig in unterschiedlicher Intensität.

Auch generalisierte Angststörungen können über viele Jahre bestehen bleiben, zeigen aber insgesamt, auch unbehandelt, weniger berufliche und soziale Beeinträchtigungen. Im Vergleich mit anderen psychiatrischen Krankheitsbildern kann sowohl die therapeutische Beeinflussbarkeit als auch die Prognose dieser Erkrankungen als relativ gut bezeichnet werden.

 

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