Sucht- und Abhängigkeitserkrankungen

Definition

Bei stofflichen Abhängigkeitserkrankungen – der Begriff ist weitgehend identisch mit demjenigen der Sucht – handelt es sich um ein zwanghaftes Bedürfnis, eine bestimmte Substanz zu konsumieren. Es wird zwischen psychischer und physischer Abhängigkeit unterschieden: zwischen dem unwiderstehlichen Verlangen, eine Substanz immer wieder einzunehmen, und der körperlichen Abhängigkeit, die durch Dosissteigerung, das Auftreten von Entzugserscheinungen und die verminderte Kontrolle über die Einnahme gekennzeichnet ist. Abhängig machen zahlreiche legale und illegale «Drogen». An erster Stelle steht die Nikotinabhängigkeit; es folgen Abhängigkeit von Alkohol, Schmerzmitteln, Beruhigungsmitteln, Schlafmitteln, Opiaten (Heroin, Methadon, Opium), Kokain, Cannabis/ Marihuana, Hallizunogenen (z.B. LSD), Amphetaminen (z.B. Speed), organischen Lösungsmittel und modernen Designerdrogen (z.B. Ecstasy).

Neben substanzinduzierten Abhängigkeitserkrankungen existieren auch solche nichtstofflicher Art, wie etwa Spiel-, Internet- und Fernsehsucht. Bei einer Abhängigkeit von mehreren Suchtmitteln spricht man von Polytoxikomanie.

 

Häufigkeit

Fünf bis sieben Prozent der Bevölkerung leiden unter einer Abhängigkeitserkrankung. Die tatsächlichen Zahlen dürften allerdings höher sein, weil von einer grossen Dunkelziffer ausgegangen werden muss. Unter den Alkohol- und Drogenabhängigen finden sich mehr Männer, wohingegen Frauen häufiger Medikamentenmissbrauch betreiben.

Während illegale Drogen überwiegend von 14- bis 30-Jährigen konsumiert werden, treten Medikamentenabhängigkeiten am häufigsten zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr auf. Ein Viertel aller Alkoholabhängigen unternimmt einen Suizidversuch. Abhängigkeitserkrankungen sind häufig von zusätzlichen psychiatrischen Störungen begleitet – am häufigsten von Depressionen und Angsterkrankungen. In diesen Fällen werden Suchtmittel häufig im Sinne eines Selbstbehandlungsversuches eingesetzt.

 

Ursachen

Einheitliche psychologische Entstehungsbedingungen von Abhängigkeitserkrankungen existieren ebenso wenig wie eine spezifische «Suchtpersönlichkeit». Heute wird vielmehr von einem umfassenden bio-psycho-sozialen Krankheitsmodell ausgegangen. Die Gefahr einer Abhängigkeit hängt unter anderem von bestimmten Merkmalen des Suchtmittels ab; z.B. davon, wie leicht dieses verfügbar ist, und nicht zuletzt von der Art der Substanzwirkung. Auf Patientenseite lassen sich vielfältige Risikofaktoren eruieren: Zum einen wird eine familiäre Häufung von Abhängigkeitserkrankungen beobachtet (genetischer Aspekt), andererseits spielt die individuelle Lerngeschichte eine grosse Rolle (Umgang mit Alkohol und Drogen in der Familie und in der Gesellschaft). Zu Beginn der Suchtentwicklung sind manchmal spezifische Konflikt- und Belastungssituationen wirksam, welche in der Folge aber von der Eigendynamik der Substanzeinnahme häufig überlagert werden.

 

Symptome

Die Erscheinungsformen von Abhängigkeitserkrankungen sind – je nach Verlaufsform – sehr unterschiedlich, die Palette körperlicher, psychischer und sozialer Störungen ist dementsprechend gross. Häufig findet sich eine zu Grunde liegende depressive Symptomatik mit Interessenverlust, Stimmungsschwankungen sowie ängstlicher Unruhe, innerer Nervosität und Schlafstörungen. Von besonderer Bedeutung sind Schuld- und Schamgefühle. Körperliche Symptome zeigen sich unter anderem im Sinne von Schwitzen, Übelkeit, Magenschmerzen, Gewichtsverlust und neurologischen Ausfällen. Unter einer regelmässigen Substanzeinnahme leidet praktisch der gesamte Organismus und es manifestieren sich vielfältige Begleiterkrankungen. Typisch sind zunehmende Leistungseinbussen bis hin zu massiven Einschränkungen der intellektuellen Funktionen sowie auch Veränderungen der Grundpersönlichkeit.

Als soziale Folgen können Beziehungsprobleme mit Gewaltanwendung, Verschuldung, Arbeitslosigkeit und Delinquenz auftreten – Faktoren, welche ihrerseits eine weitere Suchtdynamik entfalten und in der Therapie besonders berücksichtigt werden müssen.

 

Therapie

Es gibt eine Reihe von Grundsätzen in der Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen, welche bei verschiedenen Verlaufsformen resp. Substanzgruppen gleichermassen Gültigkeit haben: Frühinterventionen bei schädlichem Gebrauch, wenn noch keine Abhängigkeit besteht, sind bei noch echter Motivation zur Veränderung am Erfolg versprechendsten. Bei etablierter Suchtentwicklung ist eine qualifizierte körperliche Entgiftung mit Hilfe von Medikamenten im stationären Rahmen häufig unerlässlich. Manchmal bedarf es des äusseren Druckes als Voraussetzung zum Motivationsaufbau für eine Therapie. Entwöhnungsbehandlungen in einer geschützten Institution sind bei langjähriger Abhängigkeitsentwicklung dem ambulanten Rahmen deutlich überlegen. Auswirkungen der Erkrankung auf die verschiedenen Lebensbereiche sind in der Behandlungsplanung besonders zu berücksichtigen, das heisst vor allem Angehörige und allenfalls Arbeitgeber mit einzubeziehen. Gruppentherapeutische Verfahren sind in der Suchttherapie ebenso Erfolg versprechend wie verschiedene Ansätze der Selbsthilfe. Im Zentrum der langfristigen Behandlung steht die Rückfallprophylaxe. Besonderes therapeutisches Augenmerk verlangen Patienten mit einer so genannten Dualdiagnose, bei denen die Abhängigkeitserkrankung von einer weiteren schweren psychiatrischen Störung (z.B. Schizophrenie) begleitet wird.

 

Verlauf/Heilung

Die Therapie der Abhängigkeitserkrankungen ist in der Regel langwierig, und Perioden der erfolgreichen Abstinenz können immer wieder von Rückfällen unterbrochen werden. Nicht immer ist das Ziel eines substanzfreien Lebensstils realistischerweise erreichbar. Durch geglückte Entgiftung können immerhin viele vorerst unmotivierte Betroffene nächsten Behandlungsschritten zugeführt werden. Die Erfolgsrate einer mehrmonatigen stationären Entwöhnungsbehandlung liegt bei 50 bis 70 Prozent, wobei langfristig eine stabile Besserung bei 30 bis 50 Prozent der Patienten erreicht werden kann. Wie bei der Behandlung anderer komplexen psychiatrischen Krankheitsbildern kann in der Suchttherapie die störungsspezifische professionelle Vorgehensweise wesentliche Voraussetzungen für einen Therapieerfolg schaffen.

 

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